Blog Kunstdosis

07. Dezember 2017 / Theater

Esther vom Bruderholz - Lore Berger

Wenn Du noch die Gelegenheit hast, dieses Stück im Theater Basel zu sehen, bitte geh' hin! Es hat so vieles: die unglaubliche schauspielerische Leistung von Leonie Merlin Young, die 90 Minuten lang alleine auf der fast leeren Bühne spricht, ohne Pause, eine Geschichte aus Basel selbst, spielt 1938 bis 1941, wortgewaltige, seltsam moderne Momente obwohl das Buch in der Zeit des zweiten Weltkrieges geschrieben ist, super passende Video/Fotoprojektionen und Musik, ein Cocoon von einer kleinen "Box" als Theatersaal, eine tolle Regisseurin... was kann man sich mehr wünschen von einem winterlichen Theaterstück? Ich werde mich noch lange an diesen "barmherzigen Hügel" erinnern, werde nie wieder auf dem Bruderholz laufen ohne an diese Geschichte zu denken. Wenn Du keine Gelegenheit hast das Stück in Basel zu sehen, dann vielleicht anderswo in Zukunft; oder man kann das Buch von Lore Berger lesen, auf dem das Stück basiert. Gut für: dunkle Winternächte, um mehr über Basel zu erfahren, Theater zu geniessen, anders über die Schweiz zu denken.

24. November 2017 / Musik

Joni Mitchell - Urge for going

Ein Lied wie ein weicher Wind der uns weg weht. Es wurde 1966 von Joni Mitchell aufgenommen - die Kanadierin ist eine Ikone der Folkmusik und war bis vor einigen Jahren noch aktiv. In diesem Video sieht man sie an einem Flussufer spielen: https://vimeo.com/16647678 . Der Liedtext beschreibt den Drang zu gehen, wenn der Winter anfängt und alles kalt wird; die Vögel ziehen aus, die Liebhaber auch. Die Sängerin möchte auch gehen, schafft es aber selbst nie. http://jonimitchell.com/music/... Gut für: kalte Novembertage im Dunkeln, Winterschlaf, als Joni Mitchell Einführung.

12. November 2017 / Film

Das letzte Ufer, 1959 - Stanley Kramer

Ein schöner trauriger schwarz-weiss Klassiker für dunkle November-Tage. Dieser Film von 1959 hat so viel Gutes: Gregory Peck als U-Boot Kaptain, Ava Gardner als Alkoholikerin, Fred Astaire in einem getunten Ferrari, Anthony Perkins noch ganz jung... Und die Handlung! Die Welt wird langsam durch Radioaktivität getötet, Australien ist "das letzte Ufer" das noch bewohnbar ist. Dort verbringt jeder die Zeit wie er will oder kann, während alle auf das nahende Ende der Welt warten. Gut für: dunkle kalte Regentage, um anti-Krieg zu werden, Gregory Peck anhimmeln.

01. November 2017 / Zu Gast

Zu Gast: Franziska Bieli

Als Kleiderdesignerin habe ich mich schon immer für Architektur, Design, Kunst und Literatur interessiert. Die Leidenschaft für die Architektur entstand durch meine erste Ateliergemeinschaft mit Architekten im Rappoltshof in Basel. Die vier Jahre haben auch massgeblich meinen Kleiderstil als Designerin geprägt.

Die langjährige Zusammenarbeit mit der Galerie Koyanagi aus Tokyo während der Art Basel, wo ich beratend für den Auf-und Abbau des Standes zuständig war, haben mein Interesse an der Kunst und für zeitgenössische japanische Künstler vertieft. Eine der prägendsten Begenungen war die Zusammenarbeit mit dem japanischen Photographen Hiroshi Sugimoto.

Hiroshi Sugimoto eröffnete im Oktober sein eigenes Museum. Das "Enoura Observatory" in Odawara befindet sich eine Stunde ausserhalb von Tokyo. Sugimoto hat sich in den letzten Jahren vermehrt als Architekt einen Namen gemacht. Im Enoura Observatory befinden sich neben Ausstellungsräumen zwei Noh-Theater Bühnen und ein Teehaus. Eine 70m lange Kammer im Untergrund gibt den Blick frei auf das Meer, wie seine berühmten Seascapes Photographien. Er hat sein Museum da gebaut, wo er als kleiner Junge das erste mal das Meer sah. odawara-af.com/en/, sugimotohiroshi.com

1989 hatte ich das grosse Glück mit der Modejournalistin Marie-Jacques Perrier aus Paris die erste Haute Couture Modeschau für Dior von Gianfranco Ferré zu sehen. Bis im Januar 2018 ist die umfangreiche Ausstellung Christian Dior - Couturier du Rêve, im Musée des Arts Décoratifs in Paris zu sehen. Es zeigt eindrücklich das Leben und Schaffen von Christian Dior, inklusive aller bisherigen Designer die für das Haus Dior nach seinem frühen Tod entworfen haben. Ein Muss für alle Modedesigner und Modebegeisterten. https://www.dior.com/couture/e..., lesartsdecoratifs.fr

In Paris befindet sich auch mein Lieblingsbuchladen Shakespeare and Company für englischsprachige Bücher. Gegründet 1919 von Sylvia Beach wurde er zum Trefffpunkt vieler Schriftsteller wie Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald, James Joyce und T.S. Eliott. Nach Beachs Tod übernahm George Whitman die Buchhandlung und führte den Laden in ihrem Sinne weiter. Heute wird er von seiner einzigen Tochter Sylvia Whitman geleitet und durch ein Café und einen Laden mit ersten Editionen erweitert. Der Hauptbuchladen ist so erhalten, wie ihr Vater ihn hinterlassen hat. Ein wunderbarer Ort zum verweilen, Klavierspielen, regelmässige Lesungen besuchen und natürlich Bücher kaufen. shakespeareandcompany.com

Mehr zu Franziska Bieli, Designerin Facile Design, Beraterin, Initiantin Kiosk unterwegs: kreativeberatungen.ch, kioskunterwegs.ch

30. Oktober 2017 / Musik

Omar Souleyman

Omar Souleyman (Syrien, 1966) war ursprünglich Hochzeitssänger in seiner Region und seit zwanzig Jahren ein Star in seinem Heimatland, dann hörte ihn jemand aus dem Westen und er wurde weltweit berühmt. Seine Musik mischt "dabke", eine orientalische Tanzform (heisst übersetzt "Mit den Füssen auf den Boden stampfen"), mit elektronischen Sounds. Die Texte sind teils hoch poetisch. Souleyman wohnt seit dem Krieg in seinem Land im Exil in der Türkei und hat im Juni 2017 ein neues Album herausgebracht - "To Syria, with love". https://www.theguardian.com/mu... Gut für: verrückt tanzen, exotische Instrumente kennenlernen, arabisch singen.

16. Oktober 2017 / Malerei

Frank Stella - Damascus Gate

Frank Stella (1936) will seinen Werken keine Bedeutung zuschreiben. Seine berühmte Aussage ist: "What you see is what you see". Vom Damascus Gate gibt es mehrere Variationen, die im Verbindungstrakt zwischen dem alten und dem neuen Kunstmuseum Basel ist die Variation I. Man kann sich in den Farben verlieren oder die Grösse (3 X 12 Meter) bewundern. Anscheinend hat Stella einen Zirkel benutzt um die Form zu zeichnen. http://www.bold-magazine.eu/fr... Gut für: die Augen beruhigen, mal nicht über Bedeutung nachdenken, Farben geniessen, anstarren.

10. Oktober 2017 / Film

Spuren - Film von John Curran

Dieser australische Film von 2013 basiert auf einer wahren Geschichte, die von Robyn Davidson. Sie zieht von der Stadt in ein kleines Dorf in der Wüste und lernt dort wie man mit Kamelen umgeht. Robyn bereitet sich auf eine grosse Reise vor: sie will zu Fuss mit ihren Kamelen von Alice Springs bis an die Küste laufen - 2700 km. Die Reise wird Monate dauern, aber die Vorbereitung ist genauso wichtig und stellt Robyn vor so viele Probleme wie die Reise selbst. Gut für: als Vorbereitung auf eine lange Reise, wenn man alleine sein möchte und sich unverstanden fühlt, Kamel-Fans, Australienliebhaber, wenn man die Wüste mag.

20. September 2017 / Film

Twin Peaks neue Staffel (3)

Twin Peaks kennt fast jeder, der Anfang der 90er Jahre einen Fernseher in der Nähe hatte. Man erinnert sich an Laura Palmer, die verschwundene, mysteriöse junge Frau, an das Hotel, die skurrile Sheriff-Wache, an die Frau mit dem Holzbalken im Arm... vor allem an Cooper, den ewig Kaffee trinkenden FBI Agent. Die Serie (https://de.wikipedia.org/wiki/...) wurde immer seltsamer, bis zum Ende ohne wirklichen Schlussstrich. Die neue Staffel ist...na ja, noch seltsamer. Im Grunde gibt es gar keine richtige Handlung. Jede Folge könnte man sich sogar einzeln anschauen, mit neuen Themen, Personen und Orten. Die meisten Szenen dehnen sich wie Kaugummi und sind surrealistisch oder auch furchterregend - David Lynch auf top Form. Am Anfang kann es ein wenig irritieren, aber wenn man sich dem Abstrakten hingibt, die kleinen Details zu schätzen weiss, fliesst man richtig dahin im Fluss der knapp 50 Minuten pro Folge. Und es sind insgesamt 18 davon! Gut für: abends alles gehen lassen, im täglichen Leben ein Gespür für die unendlichen Möglichkeiten einer Situation zu entwickeln, zum Lachen, um zu sehen wie unterschiedlich Menschen und Gesichter altern.

23. August 2017 / Poesie

Erich Kästner - Lyrische Hausapotheke

"Denn im Herzen ist viel Platz. Und es ist wie eine Wundertüte." Das ist ein Zitat aus dem Gedicht "Keiner blickt dir hinter das Gesicht (Fassung für Kleinmütige)", http://www.fredsakademiet.dk/a..., vom deutschen Dichter Erich Kästner (1899-1974). Es ist Teil von einem sehr inspirierenden kleinen Band, der Lyrischen Hausapotheke von Kästner - ein Büchlein aus 1936 mit Gedichten je nach Lebenslage! Zum Beispiel für das Alter, Liebeskummer, Faulheit usw. Gut für: staunen wie reich wir sind, zum Seufzen, einfache Reime auswendig lernen.

18. August 2017 / Literatur

So einfach war es also zu gehen - Laura Vogt

Laura Vogt (1989, Schweiz) beschreibt in diesem Buch aus 2016 die körperliche und mentale "Umkrempelung", Auflösung und zum Teil Wiederherstellung einer jungen Schweizerin. Die Sprache ist oft fleischig, richtig spürbar. Man fühlt die Wut und das nicht-mehr-weiter-Wissen und die mentalen Wunden, die durch das Gehen des Vaters entstanden sind. Die Beziehung von Helen zu ihrer Schwester ist auch sehr feinsinnig beschrieben, und wie die beiden durch ihren Umgang mit Essen ihre Probleme zu unterdrücken versuchen. Gleichzeitig erfährt man auch einiges über das moderne Kairo vor der 2011 Revolution. Gut für: neue schweizer Literatur lesen, bei Familienproblemen, für junge Menschen in einer Krise, um mehr über Kairo zu erfahren.

11. August 2017 / Musik

Suena la timba - Cumbia von Los Teen Agers

Die Hüften wippen wie von selbst. Lustiges, genussvolles, tropisches Tanzen. Kolumbianische Cumbia aus den 70ern. Es ist Freitag und tanzen ist angesagt! https://www.youtube.com/watch?.... Gut für: Freitags, lustige Partys, im Auto, zum Aufheitern.

07. August 2017 / Film

Chungking Express - Wong Kar-wai

In diesem Film von 1994 spielen Farben und Bewegung verrückt. Die Hitze drückt. Liebe blüht auf, wird nicht erwidert, oder doch. Es wird viel gegessen und getrunken. Neonfarbene Nächte, einsame Polizisten, viel tolle Musik. Fast alle von Wong Kar-wais (1958 Shanghai) Filmen spielen in Hong Kong, die Ästhetik ist ähnlich. https://www.youtube.com/watch?... Gut für: schwüle Sommernächte, um Hong Kong kennen zu lernen, wenn man sich einsam fühlt.

27. Juli 2017 / Street Art

Robert Montgomery, Neon Schilder

Robert Montgomery (1972) kommt aus Schottland und dichtet mit Licht, oft mit recyceltem Sonnenlicht. Er schafft so ein abstraktes Gespräch mit jedem Mensch der auf der Strasse an seinen Schildern vorbeiläuft. Er zitiert Roland Barthes als eine Inspiration. https://www.theguardian.com/bo... Gut für: poetisch nachdenken ohne dicke Bücher, Spaziergänge.

25. Juli 2017 / Zu Gast

Zu Gast - Lydia Zimmer

Bücher entspannen, inspirieren und faszinieren mich. Lesend blicke ich über den Tellerrand meines Alltags hinaus. Doch Bücher können noch viel mehr: ich verstehe die Welt ein bisschen besser und mein Handeln wird unmerklich beeinflusst. Ich empfehle heute 4 Autorinnen - aus Liebe zum Buch und zum Reisen (auf dem Sofa). 

Mit Büchern verreisen am Beispiel von aktueller afrikanischer Literatur: Diese Auswahl ist eine Annäherung und Entdeckungsreise für alle, die neugierig sind und nicht wissen, welcher afrikanische Roman ein guter Einstieg ist. Man kann sie lesen - ohne Vorkenntnisse und ohne je auf dem Kontinent gewesen zu sein.
Anhand von Alltagsthemen und -szenen sowie der besonderen und einmaligen Erzählweise der Schriftstellerinnen gehen die Leser auf persönliche Entdeckungsabenteuer. Diese literarische Reise für alle mit Fernweh führt nach Simbabwe, Nigeria und Ghana.

Chimamanda Ngozi Adichie: „Americanah“
Taiye Selasi: "Diese Dinge geschehen nicht einfach so“
NoViolet Bulawayo: "Wir brauchen neue Namen“
Lola Shoneyin: „Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi“

Lydia Zimmer - Literaturecho (Reisen, Workshops und Projekte rund ums Buch: www.literaturecho.com; Buchclub: www.dieweltlesen.ch). Foto © S. Baud, J. Estrada, R. Schärer von der Schule für Gestaltung Basel für Literaturecho, 2017.

23. Juli 2017 / Installation

David Claerbout, The pure necessity (2016)

60 Minuten lang erwartet man dass Mowgli herein spaziert, wie im Original-Dschungelbuch Film von 1967. Aber die Video Installation "The pure necessity" (2016) von David Claerbout zeigt nur Tiere. Tiere bewegen sich in Ihrem Rhythmus, verlassen das Bild, der Wald bleibt manchmal viele Sekunden einfach still. Bären, Elefanten, eine Schlange, ein Panther... Ich könnte Stunden lang zusehen, und man braucht auch eine ganze Stunde wenn man den ganzen Film sehen möchte. Es ist langsam, ohne action. Das Video war Teil der Art Basel 2017. Gut für: langsame Tage, um über Erwartungen nachzudenken, für Tierliebhaber.

19. Juli 2017 / Malerei

Gerhard Richter - Tiger

Eigentlich wollte ich über Richter's Bild "Motorboot" schreiben, darüber wie ähnlich das Gefühl ist zu Wilhelm Sasnal (https://www.artonprescription....). Aber dann habe ich den Tiger gefunden. Ein ganz anderer Tiger als der von Franz Marc. Dieser ist auf der Jagd, er schleicht sich an etwas heran. Das Bild ist 1965 gemalt, als Richter Fotos als Vorlage zum "verwischten", unscharfen Malen nahm. Fast eine optische Täuschung, als würde sich der Hintergrund bewegen. Gut für: unscharfe Tage, nachdenken über Bewegung, zur Autohypnose.

11. Juli 2017 / Malerei

Franz Marc - Tiger

Was schaut der Tiger so gespannt? Oder ruht er? Ist er irgendwie menschlich, oder ist das eine Täuschung, bewirkt durch unser Ego? Das Bild ist von 1912. Marc hat viele andere Tiere gemalt, Fuchs, Katze, Kuh... Er wollte sich in Tiere hineinversetzen, überlegen, wie Tiere wohl die Welt sehen. Gut für: Naturliebhaber, nach dem Verlust eines Haustieres, als Inspiration für Farben.

06. Juli 2017 / Tanz

Ziya Azazi

Derwische sind eigentlich Angehörige einer muslimischen asketisch-religiösen Ordensgemeinschaft, Rumi war zum Beispiel ein Derwisch. Viele leben zurückgezogen als Mönche. Nicht so Ziya Azazi, er tanzt seit 1999 den Derwisch Tanz, wohnt in Wien und organisiert auch workshops für andere Tänzer, die wie er die Idee der ritualen Wiederholung, der Zyklen und der Transformation erforschen möchten. Die Reduktion auf eine einzige Bewegung stellt eine Trance her, die sich auch auf den Zuschauer überträgt. Gut für: wie unter Hypnose zu denken, anderes über Religion zu entdecken, sich im Kreis zu drehen, alles zu vergessen ohne sich zu betrinken.


02. Juli 2017 / Architektur

Der Grosse Buddha von Kamakura

Daibutsu nennt man auf Japanisch die Riesenstatuen von Buddha. Die in der kleinen Stadt Kamakura ist fast 14 Meter hoch und wurde ca. 1250 gebaut. Im Dorf ankommen und seine Präsenz wahrnehmen. Mit den anderen Menschen gehen und den Daibutsu von fern entdecken. Näher ran gehen und die Details seiner im Schoss ruhenden Hände bewundern, oder lachen über die Tauben die oft auf seinem Kopf stehen. Wenn es nicht sehr heiss ist, die Tür unter seinem Rücken durchqueren und seine Formen von innen, das Metall, anfassen. Wenn es sehr heiss ist kann man auch irgendwo im Schatten sitzen und den Grossen Buddha einfach sehr ruhig betrachten. Wie oft bei riesigen Gebäuden oder Tieren fühlt man sich in Frieden und ohne dringende Bedürfnisse. Gut für: sich ausruhen an heissen Tagen, das Gedicht "the great buddha" von Kipling lesen, meditieren, Eis essen.

28. Juni 2017 / Literatur

Eine gute Partie, Vikram Seth

Ja, das Buch hat 2000 Seiten. Am liebsten wären es 3000, 4000, unendlich viele Seiten. Noch nie habe ich so unterhaltsam über ein Land gelesen: Kultur, Geschichte, Kunst, Politik, alles vermischt mit Familie und Beziehungen. Ergebnis ist ein komplettes, kunterbuntes Bild von Indien. Es liest sich wie eine Seifenoper; aber die Themen sind wichtig, und eindrucksvoll beschrieben. Vikram Seth (auch Dichter) schreibt schon lange an der Fortsetzung zu diesem Buch. Hoffen wir dass sie 2017 erscheint. Gut für: als Lektüre in den Ferien, wenn man Familienkummer hat oder gerne eine grosse Familie hätte, um Indien besser zu verstehen.

22. Juni 2017 / Musik

Satyagraha

Oper ist nicht immer langweilig, und wie ich langsam lerne gibt es auch moderne Opern. Philip Glass ist eher bekannt für minimalistische Filmmusik, er hat aber auch Symphonien und Opern geschrieben. An Satyagraha (1979) sind interessant: philosophische Referenzen (Gandhi, Tagore, Tolstoy) und die sich dauernd wiederholenden Melodien. Dazu kann man sich wie ein Dervish im Kreise drehen, meditieren... Bei der Aufführung 2017 in Basel waren die Choreographien von Sidi Larbi Cherkaoui der Hammer. Gut für: verrückt im Kreis zu tanzen, sich selbst hypnotisieren, in Trance verfallen.

18. Juni 2017 / Architektur

Christchurch Re:START Projekt und Gap Filler

Nachdem Christchurch 2011 durch ein Erdbeben zerstört wurde sind in der Stadt verschiedene Projekte wie Pilze aufgeschossen, um Zwischenlösungen zu finden und das Stadtleben zu erhalten. Eines davon war Re:START, ein Freiluft-"Container-Mall". Danach habe ich viele andere ähnliche Bauten in anderen Ländern gesehen, aber keine so quirlige und bunte Gemeinschaft wie dort. Als ich 2014 in Christchurch war, waren noch viele Gebäude und fast ganze Stadtteile in Trümmern. Trotzdem waren die Einwohner voller Energie und Tatendrang, und es lagen besondere Schwingungen in der Luft. Heute gibt es dort immer noch tolle Organisationen wie Gap Filler, die zur urbanen Regeneration inspirieren (http://gapfiller.org.nz/). Gut für: Ideen sammeln über Leben in der Stadt. Nach einem persönlichen Erdbeben, zum Neustart.

08. Juni 2017 / Fotografie

Solgraffiti von Eikoh Tanaka

Eikoh Tanaka produziert diese Lichtskulpturen oft an Orten, die in Japan eine bestimmte spirituelle Bedeutung haben. Manche Fotos sehen fast aus wie Gemälde, andere wie Graffitis auf Wändern. Mal fühlt man sich im Weltall, mal sehr geerdet. Eikoh Tanaka hatte gerade ein Open Studio im Atelier Mondial am Dreispitz Basel. Gut für: Tage an denen der Kopf wegwandert; um über Materie zu grübeln.

28. April 2017 / Poesie

La vaca cega, Die blinde Kuh

Das Gedicht La vaca cega, Die blinde Kuh, vom katalanischen Dichter Joan Maragall (1860-1911). http://www.visat.cat/traduccio...

Warum ist die Kuh alleine, warum begleitet sie niemand? Wie konnte der Hirt ihr ein Auge ausschlagen? Nicht nur Kummer oder Schwermut bleiben hängen, sondern auch Nächstenliebe, vielleicht Wut, und ein grosses Gefühl von Würde. Gut für: traurige Tage, empörte Tage, Proteststimmung, Mitleidsgefühle.

28. April 2017 / Film

Laurence Anyways

Bitte anschauen: Laurence Anyways, ein Film aus dem Jahr 2012 vom kanadischen Regisseur Xavier Dolan, der es in den letzten Jahren zu grosser Berühmtheit gebracht hat. Wie alle seine Filme bietet Laurence Anyways viele intensive Szenen, bei denen man sich exaltiert lebendig fühlt und die lange im Kopf bleiben. Dieser Film fasziniert mich wegen seines ganz besonderen Charmes, wie er eine sonderbare Situation und Menschen mit viel Empathie und “Normalheit” portraitiert. Ein Mann, der plötzlich zur Frau werden will, allerdings zu einer lesbischen Frau. Gut für: Tage in denen man sich seltsam oder nicht in die Gesellschaft passend fühlt. Für jene, die im verkehrten Körper stecken.

28. April 2017 / Musik

Suitcase von Electrelane

Das  fast 10-minütige Lied Suitcase von Electrelane habe ich im wunderbaren Film Suzanne (2013) entdeckt. Es ist , als würde es Dich auf eine Reise mitnehmen, als würde man fliegen. Man segelt vom ruhigen, misteriösen Intro durch die sich langsam steigernden, romantischen Klavierklänge; eine Gitarre kommt dazu; dann gibt es eine ganz kleine Pause. Plötzlich explodiert die Melodie und wird fast zu asiatischer Rockmusik. Stimmen im Chor, heulend wie Wölfe, berauschend. Dann erklingt ein Organ mit langsamer Melodie, die Gitarren weichen, es wird flauschig und leiser (das ist der Teil, der in der Filmszene eingesetzt wird). Es ist wie ein langsames sich Annähern, wie eine Verführung, fast schüchtern. Die Stimmen kommen wieder und wiegen einen in Trance. Aber Schlagzeug und Bass wachen uns auf. Die letzten 2 Minuten klingen wie eine Hymne oder Kirchenlied. Gut für: Tage, an denen man wolfheulen möchte. Verliebte Personen. Zum Tanzen.

28. April 2017 / Musik

Iggy Pop

Iggy Pop inspiriert einfach IMMER, und zwar nicht nur seine tollen Lieder (berühmt zum Beispiel Lust for life oder The Passenger, gut sind aber auch I’m Bored oder Sunday). Mich begeistern vor allem sein mitreissendes Lachen, seine intellektuelle Kultiviertheit, seine schiere Lebenslust trotz komplexem Lebensweg und seine ansteckenden good vibes! Gut für: immer. Traurige Tage, lustige Tage, wenn man Spass braucht, in Rebellionsstimmung… einfach das passende Video, Interview finden, alte Konzerte oder Reden, oder seine wöchentliche Radiosendung auf BBC 6 Music Radiosender anhören. Nur einige Beispiele:

http://www.bbc.co.uk/programmes/b03yblbx