Blog Kunstdosis

21. Oktober 2018 / Theater

Irina und Frank - Roger Binggeli Bernard

Irina und Frank waren verheiratet. Vor Jahren. Sie treffen sich zufälligerweise im Möbelhaus Trachtner. Wir, das Publikum, sitzen auch im Trachtner und schauen ihnen zu, wie sie sich wiedersehen, streiten, lachen, leiden. Es tut weh es ist so wuchtig echt gespielt (von Sonja Riesen und Dominik Gysin). Und es ist wirklich wichtig das Thema der Fertilitätsbehandlungenzu thematisieren, da es immer mehr Paare zur Verzweiflung und Kliniken zu grossem Reichtum bringt. Warum immer so viel Druck, vor allem auf Frauen? Wollen wir das wirklich? Dazu lesen: http://www.taz.de/!5398671/. Noch drei Vorstellungen in Basel: https://www.majacc.com/ Gut für: noch glückliche Paare, wenn man Möbel sucht, als Alternativprogramm zur Herbstmesse.

10. Juli 2018 / Installation

Mariele Neudecker - What if we all just stopped

In einem dunklen, kleinen Zimmer fällt ein friedlicher Lichtstrahl auf ein Aquarium. Es schwimmen keine Fische darin sondern ein Wald. Ein schwimmender Wald, der aber aus Harz geformt ist. Plötzlich wird man ruhig und versinkt in losgeslöste Gedanken, man schwebt mit dem Wald im Raum. Tritt man näher ans Glas sieht man mehr Einzelheiten, Äste, Wurzeln, vielleicht Moos. Mariele Neudecker (1965, Düsseldorf) formt schon lange diese Wasserbehälter, sie wird manchmal Klimawandel-Künstlerin genannt. Oft werden diese Werke mit den Bildern von Caspar David Friedrich verglichen, wegen der Melancholie und der Romantik. http://www.studiointernational..., http://glacierhub.org/2016/08/... , https://www.youtube.com/watch?... Gut für: melancholische Nachmittage, Seelenstreicheln, um nach hektischen Zeiten zur Ruhe zu kommen.

27. Februar 2018 / Musik

Naomi aime - Babx

Dieses Lied fühlt sich an als würde man einer schleichenden Schlange durch den warmen, feuchten tropischen Boden folgen. Auch wenn man französisch kann - die Wörter ringeln sich aneinander und man hört eher endlose Wortketten. Die Stimme klingt langsam, faul, spielerisch. Das Lied ist von 2013, vom Album "Drones personnels" der französischen Gruppe Babx und der Text spricht darüber, wie sehr Naomi die Diamanten liebt...https://www.youtube.com/watch?... Gut für: sich räkeln, französisch üben, dunkle Winterabende durchsingen, wenn man Diamanten mag.

16. Januar 2018 / Film

Tanna - Martin Butler/Bentley Dean

Dieser Film von 2015 ist der erste, der vollständig auf der Insel Vanuatu im Pazifik gedreht worden ist. Während die zwei Regisseure dort sieben Monate beim Yakel-Stamm verbrachten haben diese ihnen von einer wahren Liebesgeschichte erzählt, die ihren Glaubenssatz und ihre Gesetze beeinflusst hat. Die Landschaft, der wilde Vulkan, die üppig saftige Natur und die echte Exotik sind das Schönste am Film. Nach vielen Tagen erinnere ich mich noch an die sanften Augen der überraschenderweise guten, weil nicht professionellen Darsteller. Gut für: von ursprünglicher Natur zu träumen, an wahre Liebe zu glauben, wegzuschwimmen in den Pazifik.

30. Oktober 2017 / Musik

Omar Souleyman

Omar Souleyman (Syrien, 1966) war ursprünglich Hochzeitssänger in seiner Region und seit zwanzig Jahren ein Star in seinem Heimatland, dann hörte ihn jemand aus dem Westen und er wurde weltweit berühmt. Seine Musik mischt "dabke", eine orientalische Tanzform (heisst übersetzt "Mit den Füssen auf den Boden stampfen"), mit elektronischen Sounds. Die Texte sind teils hoch poetisch. Souleyman wohnt seit dem Krieg in seinem Land im Exil in der Türkei und hat im Juni 2017 ein neues Album herausgebracht - "To Syria, with love". https://www.theguardian.com/mu... Gut für: verrückt tanzen, exotische Instrumente kennenlernen, arabisch singen.

20. September 2017 / Film

Twin Peaks neue Staffel (3)

Twin Peaks kennt fast jeder, der Anfang der 90er Jahre einen Fernseher in der Nähe hatte. Man erinnert sich an Laura Palmer, die verschwundene, mysteriöse junge Frau, an das Hotel, die skurrile Sheriff-Wache, an die Frau mit dem Holzbalken im Arm... vor allem an Cooper, den ewig Kaffee trinkenden FBI Agent. Die Serie (https://de.wikipedia.org/wiki/...) wurde immer seltsamer, bis zum Ende ohne wirklichen Schlussstrich. Die neue Staffel ist...na ja, noch seltsamer. Im Grunde gibt es gar keine richtige Handlung. Jede Folge könnte man sich sogar einzeln anschauen, mit neuen Themen, Personen und Orten. Die meisten Szenen dehnen sich wie Kaugummi und sind surrealistisch oder auch furchterregend - David Lynch auf top Form. Am Anfang kann es ein wenig irritieren, aber wenn man sich dem Abstrakten hingibt, die kleinen Details zu schätzen weiss, fliesst man richtig dahin im Fluss der knapp 50 Minuten pro Folge. Und es sind insgesamt 18 davon! Gut für: abends alles gehen lassen, im täglichen Leben ein Gespür für die unendlichen Möglichkeiten einer Situation zu entwickeln, zum Lachen, um zu sehen wie unterschiedlich Menschen und Gesichter altern.

11. August 2017 / Musik

Suena la timba - Cumbia von Los Teen Agers

Die Hüften wippen wie von selbst. Lustiges, genussvolles, tropisches Tanzen. Kolumbianische Cumbia aus den 70ern. Es ist Freitag und tanzen ist angesagt! https://www.youtube.com/watch?.... Gut für: Freitags, lustige Partys, im Auto, zum Aufheitern.

23. Juli 2017 / Installation

David Claerbout, The pure necessity (2016)

60 Minuten lang erwartet man dass Mowgli herein spaziert, wie im Original-Dschungelbuch Film von 1967. Aber die Video Installation "The pure necessity" (2016) von David Claerbout zeigt nur Tiere. Tiere bewegen sich in Ihrem Rhythmus, verlassen das Bild, der Wald bleibt manchmal viele Sekunden einfach still. Bären, Elefanten, eine Schlange, ein Panther... Ich könnte Stunden lang zusehen, und man braucht auch eine ganze Stunde wenn man den ganzen Film sehen möchte. Es ist langsam, ohne action. Das Video war Teil der Art Basel 2017. Gut für: langsame Tage, um über Erwartungen nachzudenken, für Tierliebhaber.

19. Juli 2017 / Malerei

Gerhard Richter - Tiger

Eigentlich wollte ich über Richter's Bild "Motorboot" schreiben, darüber wie ähnlich das Gefühl ist zu Wilhelm Sasnal (https://www.artonprescription....). Aber dann habe ich den Tiger gefunden. Ein ganz anderer Tiger als der von Franz Marc. Dieser ist auf der Jagd, er schleicht sich an etwas heran. Das Bild ist 1965 gemalt, als Richter Fotos als Vorlage zum "verwischten", unscharfen Malen nahm. Fast eine optische Täuschung, als würde sich der Hintergrund bewegen. Gut für: unscharfe Tage, nachdenken über Bewegung, zur Autohypnose.

11. Juli 2017 / Malerei

Franz Marc - Tiger

Was schaut der Tiger so gespannt? Oder ruht er? Ist er irgendwie menschlich, oder ist das eine Täuschung, bewirkt durch unser Ego? Das Bild ist von 1912. Marc hat viele andere Tiere gemalt, Fuchs, Katze, Kuh... Er wollte sich in Tiere hineinversetzen, überlegen, wie Tiere wohl die Welt sehen. Gut für: Naturliebhaber, nach dem Verlust eines Haustieres, als Inspiration für Farben.

22. Juni 2017 / Musik

Satyagraha

Oper ist nicht immer langweilig, und wie ich langsam lerne gibt es auch moderne Opern. Philip Glass ist eher bekannt für minimalistische Filmmusik, er hat aber auch Symphonien und Opern geschrieben. An Satyagraha (1979) sind interessant: philosophische Referenzen (Gandhi, Tagore, Tolstoy) und die sich dauernd wiederholenden Melodien. Dazu kann man sich wie ein Dervish im Kreise drehen, meditieren... Bei der Aufführung 2017 in Basel waren die Choreographien von Sidi Larbi Cherkaoui der Hammer. Gut für: verrückt im Kreis zu tanzen, sich selbst hypnotisieren, in Trance verfallen.

18. Juni 2017 / Architektur

Christchurch Re:START Projekt und Gap Filler

Nachdem Christchurch 2011 durch ein Erdbeben zerstört wurde sind in der Stadt verschiedene Projekte wie Pilze aufgeschossen, um Zwischenlösungen zu finden und das Stadtleben zu erhalten. Eines davon war Re:START, ein Freiluft-"Container-Mall". Danach habe ich viele andere ähnliche Bauten in anderen Ländern gesehen, aber keine so quirlige und bunte Gemeinschaft wie dort. Als ich 2014 in Christchurch war, waren noch viele Gebäude und fast ganze Stadtteile in Trümmern. Trotzdem waren die Einwohner voller Energie und Tatendrang, und es lagen besondere Schwingungen in der Luft. Heute gibt es dort immer noch tolle Organisationen wie Gap Filler, die zur urbanen Regeneration inspirieren (http://gapfiller.org.nz/). Gut für: Ideen sammeln über Leben in der Stadt. Nach einem persönlichen Erdbeben, zum Neustart.