Blog Kunstdosis

28. Juni 2017 / Literatur

Eine gute Partie, Vikram Seth

Ja, das Buch hat 2000 Seiten. Am liebsten wären es 3000, 4000, unendlich viele Seiten. Noch nie habe ich so unterhaltsam über ein Land gelesen: Kultur, Geschichte, Kunst, Politik, alles vermischt mit Familie und Beziehungen. Ergebnis ist ein komplettes, kunterbuntes Bild von Indien. Es liest sich wie eine Seifenoper; aber die Themen sind wichtig, und eindrucksvoll beschrieben. Vikram Seth (auch Dichter) schreibt schon lange an der Fortsetzung zu diesem Buch. Hoffen wir dass sie 2017 erscheint. Gut für: als Lektüre in den Ferien, wenn man Familienkummer hat oder gerne eine grosse Familie hätte, um Indien besser zu verstehen.

22. Juni 2017 / Musik

Satyagraha

Oper ist nicht immer langweilig, und wie ich langsam lerne gibt es auch moderne Opern. Philip Glass ist eher bekannt für minimalistische Filmmusik, er hat aber auch Symphonien und Opern geschrieben. An Satyagraha (1979) sind interessant: philosophische Referenzen (Gandhi, Tagore, Tolstoy) und die sich dauernd wiederholenden Melodien. Dazu kann man sich wie ein Dervish im Kreise drehen, meditieren... Bei der Aufführung 2017 in Basel waren die Choreographien von Sidi Larbi Cherkaoui der Hammer. Gut für: verrückt im Kreis zu tanzen, sich selbst hypnotisieren, in Trance verfallen.

18. Juni 2017 / Architektur

Christchurch Re:START Projekt und Gap Filler

Nachdem Christchurch 2011 durch ein Erdbeben zerstört wurde sind in der Stadt verschiedene Projekte wie Pilze aufgeschossen, um Zwischenlösungen zu finden und das Stadtleben zu erhalten. Eines davon war Re:START, ein Freiluft-"Container-Mall". Danach habe ich viele andere ähnliche Bauten in anderen Ländern gesehen, aber keine so quirlige und bunte Gemeinschaft wie dort. Als ich 2014 in Christchurch war, waren noch viele Gebäude und fast ganze Stadtteile in Trümmern. Trotzdem waren die Einwohner voller Energie und Tatendrang, und es lagen besondere Schwingungen in der Luft. Heute gibt es dort immer noch tolle Organisationen wie Gap Filler, die zur urbanen Regeneration inspirieren (http://gapfiller.org.nz/). Gut für: Ideen sammeln über Leben in der Stadt. Nach einem persönlichen Erdbeben, zum Neustart.

08. Juni 2017 / Fotografie

Solgraffiti von Eikoh Tanaka

Eikoh Tanaka produziert diese Lichtskulpturen oft an Orten, die in Japan eine bestimmte spirituelle Bedeutung haben. Manche Fotos sehen fast aus wie Gemälde, andere wie Graffitis auf Wändern. Mal fühlt man sich im Weltall, mal sehr geerdet. Eikoh Tanaka hatte gerade ein Open Studio im Atelier Mondial am Dreispitz Basel. Gut für: Tage an denen der Kopf wegwandert; um über Materie zu grübeln.